Weihnachten. Dieses Jahr ohne mich dachte sie, als sie endlich im Flieger saß. In wenigen Stunden würde sie schwitzend in der Sonne liegen.
Wer braucht schon Weihnachten? Wer erträgt schon so viel Liebe? Die Liebe der Anderen. Einen Tag vor Weihnachten hatte sie eine merkwürdige Begegnung. Wie jeden Tag seit ihrer Ankunft lehnte sie am Tresen der Hotelhalle und wartete auf den netten Porte, der sie gegen ein Lächeln, das fast schon ein Versprechen war, kostenlos in den Massageraum ließ. Wo schon der nächste nette Cubano wartete, um ihren inzwischen leicht krebsroten Körper zu bearbeiten.
Nach einer Weile begriff sie, dass er sie einladen wollte, mit ihm am Abend in die kleine Strandbar zu gehen.
Warum nicht, dachte sie und sagte lachend: "Vamos a ver." Was so viel hieß, wie: Warten wir´ s ab!
Ja, warum nicht. Er war ganz süß, vielleicht ein bisschen zu jung, vielleicht ein bisschen zu offensichtlich hinter ihrem Geld her, aber was soll ´s.
Warum? meldete sich eine Stimme in ihrem Inneren. Warum spielst du schon wieder dieses Spiel? Weißt du noch immer nicht, wonach du suchst?
Halt´ s Maul! dachte sie und schüttelte ihr blondes Haar, als könne sie so ihre Gedanken vertreiben.
Was will ich schon? Du Moralapostel, gönn mir den Spaß! Der Porte ließ sie allein, wollte nachsehen, ob der Masseur Zeit hätte für sie. Locker lehnte sie am Tresen. Da realisierte sie, was sie die ganze Zeit gefühlt hatte. Augen. Jemand beobachtete sie. Sie drehte sich um. Da, auf der Couch in der Lobby saß ein älterer Mann. Er starrte sie an, mit einem Blick, der keinen Zweifel an seinen Gedanken ließ. Auch als er sah, dass sie ihn entdeckt hatte, ließ er seine Augen völlig ungeniert über ihren Körper wandern. Jetzt ein leichtes Lächeln in seinen Mundwinkeln. Entspannt schlug er die Beine übereinander, ließ sich ins Polster zurücksinken und senkte seine Augen in ihr Dekollete. Hob sie dann und sah ihr direkt in die Augen.
Was soll das? dachte sie und konnte sich diesem Blick doch nicht entziehen. Einen Moment starrte sie zurück, bis der Ruf des Masseurs sie in die Realität zurückholte. Sie schluckte und löste sich von diesen Augen. Wütend blitze sie ihn noch einmal an, bevor sie sich abwandte. Was bildet der sich ein? Mich einfach so mit den Augen auszuziehen! Und doch wich die Unruhe, die dieser Blick in ihr ausgelöst hatte, lange Zeit nicht von ihr.
Später lag sie am Strand, im Schatten der einzigen Baumes weit und breit. Ihr Lieblingsplatz. Eine Weile las sie in ihrem Buch, bis es ihr zu heiß wurde und sie in den Atlantik lief. Wie immer fasziniert von diesem Farbenspiel sich eine Weile von den Wellen treiben ließ.
Als sie aus dem Wasser kam, stand neben ihrer Liege eine zweite. Leer. Suchend sah sie sich um, aber niemand war da. Sie ließ sich von der Sonne trocknen, gab sich dem Geräusch des Meeres hin und schlief darüber ein. Als sie die Augen öffnete, sah sie direkt in die Augen des Fremden, der neben ihr auf der zweiten Liege saß und sie wieder so intensiv ansah.
"Starren Sie eigentlich fremde Frauen immer so an?" giftete sie ihn an.
"Eigentlich nicht" lachte er " Nur wenn ich merke, es gefällt ihnen."
"Aha. Und darf ich fragen, woraus Sie auf diese Erkenntnis schließen?" Was für ein dreister Kerl!
"Fragen darfst du mich alles. Nur eine Antwort solltest du nicht immer erwarten."
Jetzt lachte er laut und beugte sich noch tiefer über sie.
"Eine Frau wie dich erkenne ich, glaub einem alten Mann. Und es sollte mich wundern, wenn dir das nicht gefallen würde."
Sie sprang auf, griff ihr Handtuch und fauchte ihn mit blitzenden Augen an: "Na, wie schön! Das erspart uns das Kennenlernen. Ich bin wirklich schon origineller angemacht worden. Kerle wie dich erkenne ich auch. Du musst es ja sehr nötig haben."
"Nicht nötiger oder weniger nötig als du." sagte er, während sie wütend ihre Sachen in die Tasche warf.
"Na dann, schönen Tag noch." rief sie zornig im Weggehen.
Auch wenn sie sich nicht umdrehte, verstand sie seine Antwort: "Es war mir ein Vergnügen. Bis später."
"Träum weiter!" murmelte sie leise.
Spät in der Nacht saß sie mit diesem Jungen von der Rezeption in der Strandbar. Laute kubanische Rhythmen machten jede Konservation überflüssig. Sie hatte ihr Haar hochgesteckt, trug ein schulterfreies, tief ausgeschnittenes Oberteil. Die Nacht war ihre. Sie klebte an ihrer feuchten Haut, hing in der Haarsträhne, die sich im Nacken gelöst hatte. Verspielt klimperte sie mit den Eiswürfeln in ihrem Glas, versuchte die Langeweile zu verbergen, die dieser Jüngling in ihr auslöste. Die Kombination aus Hitze und Alkohol tat ihr Übriges. Ihr Lachen zu laut, die Gesten zu eindeutig. Sie hatte keine Lust, ließ sich dann doch zum Tanzen überreden. Der junge Mann gab sich alle Mühe, ihr den Sex des Rhythmus mit seinem Körper zu vermitteln. In seinen Augen stand bereits die Hoffnung und müde lächelte sie zurück.
Da entdeckte sie ihn. Er saß in der hintersten Ecke, sie konnte ihn kaum erkennen, aber sie fühlte schon wieder seinen Blick. Und jetzt genoss sie ihn. Plötzlich änderte sich ihr Lächeln. Sie ließ ihren Rücken gegen den Porte sinken, rieb ihren Hintern an seinem Schwanz, feste Hände griffen ihre Hüften. Er konnte sein Glück kaum fassen, als sie anfing sich der Musik und diesen Augen hinzugeben. Während sie sich an den Hals des Kubaners hängte, wanderte ihr Blick immer wieder in diese Ecke, in der sie ihn ahnen konnte. Sie tanzte längst für ihn. Auch ihr Lachen an der Bar schenkte sie ihm, der jetzt seinen Platz gewechselt hatte und ihr direkt gegenüber saß Der junge Kubaner griff einen Eiswürfel aus seinem Glas und warf ihr diesen süffisant grinsend in den Ausschnitt. Sie angelte ihn raus und steckte ihn zwischen ihre Lippen, während sie dem Fremden zum ersten Mal direkt provozierend in die Augen sah.
Du kennst mich? Na dann lass uns spielen, sagte ihr Blick. Er sah sie nur an, ruhig und ohne eine Regung in seinem Gesicht. Unsicher senkte sie die Augen. Der Kubaner wurde jetzt dreister, ständig versuchte er sie zu küssen. Immer wieder entzog sie sich seinen Händen. Nach einer Weile blickte sie auf und sah enttäuscht, dass der Barhocker leer war, auf dem er eben noch gesessen hat. Sie beschloss ins Hotel zu gehen, aber der Mann an ihrer Seite wollte sich nicht abschütteln lassen. Eine Weile diskutierte sie mit ihm, versuchte ihm immer wieder klarzumachen, dass sie jetzt gehen
will. Allein. Ohne ihn. Himmel, dachte sie. Die Geister, die ich rief...
Genau in dem Moment legte sich eine Hand von hinten bestimmend um ihren Oberarm.
"Wir gehen." Ohne zu zögern rutschte sie vom Barhocker und ließ sich von ihm wegziehen. Der kleine Kubaner fing an zu diskutieren, wollte sie festhalten. Hilflos stand sie zwischen den beiden Männern. Der Fremde sagte etwas im besten Spanisch zu ihrem Möchtegernliebhaber, woraufhin dieser zähneknirschend von ihr abließ. Als sie dem Krach ein Stück weit entflohen waren, schon auf dem langen Steg über dem Meer
liefen, fragte sie ihn: "Was hast du ihm gesagt?"
"Ich bin dein Mann." antwortete er.
"Aha" sagte sie sarkastisch. "Das erklärt alles."
"Willst du zurück?" Er blieb stehen, hielt sie noch immer am Arm.
Sie schüttelte den Kopf und lief weiter. Auf dem Weg zum Hotel schwiegen sie. Ihr Kopf arbeitete auf Hochtouren. Sie kaute ewig an dieser Frage, bis sie sie dann kurz vor ihrer Zimmertür doch stellte: "Was willst du von mir?"
"Nichts" sagte er, während er sie sanft zu sich umdrehte. Er strich ihr nur kurz übers Gesicht, bevor er sie ganz leicht an sich zog.
"Nichts und alles, meine Kleine. Denk drüber nach und jetzt schlaf schön. Morgen ist Weihnachten.“
Als die Tür hinter ihr zufiel, hielt sie ihre brennende Wange. Als hätte er sie geohrfeigt brannte diese. Ihr ganzer Körper schien zu brennen, als sie im Bett lag. Alles und nichts, dachte sie immer wieder, während sie sich unruhig von einer Seite auf die andere drehte. Hatte sie nur geträumt? Was macht mich so unruhig hier? fragte sie sich während sie keinen Schlaf finden konnte. Sie fühlte noch immer seine Augen auf ihrem Körper. Augen, die sich genommen hatten, was sie jetzt nur zu gern ihm geben würde. Ein Mann, lachte sie leise, während ihre Hand den Weg zwischen ihre Schenkel fand. Ein richtiger Mann.
Sie schloss die Augen und stellte sich vor, dass er auch jetzt in der Ecke des Zimmers sitzen würde. Sie machte die Beine breit für ihn. Eine Weile lag sie so da, mit gespreizten Beinen, die Schamlippen weit auseinander gezogen. Komm sieh dir an, was du längst schon gesehen hast. Ich
bin geil. Ich bin nass. Für dich. Heute Nacht mach ich es mir nur für dich. Sie rieb ihren Kitzler, war so nass, dass sie kein Öl brauchte. Ihr Saft lief ihr bis zum Hintern herunter. Sie kniete sich hin, hielt dem Mann, der nicht da war, ihren Arsch entgegen, griff zwischen die Schenkel und senkte ihren Kopf aufs Kissen. Als sie kam, spritzte sie in ihre Hand, schrie ihre Geilheit ins Kissen und weinte. Morgen ist Weihnachten, dachte sie.
Wer erträgt das schon ohne Liebe? Und wer davor flieht, begegnet ihr. Denn auch eine Flucht ist eine Suche. Sehnsucht kennt nur einen Ort. Einen Ort, der noch immer brennt wie ihre Wange. Morgen, denkt sie, bevor sie einschläft. Komisch, dass ein Orgasmus mich immer so philosophisch
macht. Als sie am nächsten Morgen erwachte, kitzelte ein Sonnenstrahl ihre Nase. Noch bevor sie sie Augen öffnete, fühlte sie diesen süßen Krampf in ihrem Magen, den sie immer fühlte, wenn etwas Aufregendes bevorstand. Sie riss die Augen auf und vergewisserte sich, dass der gestrige Tag kein Traum war. Nein, keine Berliner Mietwohnung. Stattdessen hörte sie das laute Geschwätz der Zimmermädchen vor ihrem Fenster, breites
karibisches Spanisch, melodisch und einschläfernd. Nein, sie wollte nicht wieder schlafen. Sie dachte an ihn, den Mann der sie gestern so verwirrt hatte. Sie würde ihn heute wieder sehen und eine merkwürdige Erregung, fast Vorfreude breitete sich in ihr aus.
Du spinnst, sagte sie zu sich selbst beim Zähneputzen. Das ist ein frecher, arroganter Kerl, absolut überzeugt von sich - der hat dich heute schon vergessen. Während sie sich schminkte, dachte sie an seinen festen Griff, als er sie vom Barhocker zog. Diese selbstverständlich Besitz ergreifende Geste. Ein Schauer lief ihren Rücken entlang. Johanna - hörte sie wie durch einen Nebel die Stimme ihrer Mutter - wann wirst du endlich
erwachsen und suchst dir einen Mann, mit dem du eine Zukunft haben kannst? Während sie in die Schuhe schlüpfte, grinste sie und murmelte: Fröhliche Weihnachten Mama. Was hältst du denn von dem Weihnachtsmann? Na ja, du hast Recht. Auch schon zu alt für eine wirkliche Zukunft.
Als sie die Tür hinter sich ins Schloss zog, kniff sie für einen Moment die Augen zusammen. Das gleißende Licht blendete sie. Am Pool brieten die ersten Handtücher in der Sonne, bewacht von müden Familienvätern. Krebsrote, Sonnencreme glänzende Körper.
In der Hotelhalle schlich sie sich unbeobachtet am Porte vorbei, der missmutig hinter dem Tresen saß und wohl schon bessere Nächte hatte.
Im Restaurant stand völlig deplatziert eine billige Weihnachtsbaumfälschung aus Plastik, mit goldenem Spruchband “ Feliz navidad“ behangen.
Sie sah sich kurz um, unauffällig, wie zufällig in die Runde schauend. Nein. Er war nicht da. Vielleicht wohnt er gar nicht hier.
Sie holte sich einen Kaffee und beschloss schon beim ersten Schluck besser zu Juana zu gehen, ihre "Mama Cubana". Nirgendwo schmeckt der Kaffee besser als in Casa Juana.
Als sie das Restaurant verließ, lief einer der Kellner tatsächlich mit Weihnachtsmannmütze an ihr vorbei.
Fehlt nur noch "Stille Nacht" dachte sie und floh. Sie wählte den Weg am Strand lang. Der Sand war noch nicht so heiß wie mittags unter ihren
Füßen. Aber sie musste aufpassen, stachlige Kaktusblüten lagen überall. Ihr Blick schweifte über den Strand, bevor er wie immer am Wasser hängen blieb und sie dem kindlichen Impuls widerstand, sich einfach in die Gischt zu setzen. Eine Weile hüpfte sie, um den Wellen auszuweichen. Fröhlich lief sie am Wasser entlang bis zum nächsten Hotel. Ein altes, verfallenes Anwesen. Niemand wohnt mehr dort. Es ist gut bewacht von ein paar Gustorios, kubanische Sicherheitsbeamte. Von denen gibt es dort mehr als Zuckerohrhalme. Sie durchquerte das Hotelgelände und stand mitten auf der einzigen Straße des Ortes. Santa Lucia ist abgesehen vom wohlklingenden Namen ausgesprochen hässlich. Abgesehen von vier oder fünf Hotels gibt es faktisch nichts. Außer einer Art Ghetto vor dem sie jetzt stand. Provisorisch zusammen gezimmerte Hütten. Zwei hässliche Plattenbauten ohne Fenster, eine Schule auf deren Vorplatz die Ziegen grasten.
Sie klopfte an die Tür von Casa Juana, trat ohne auf Antwort zu warten ein. Nur Juanas Tochter Isa saß rauchend am Tisch und lackierte sich die Nägel. Im Nachthemd, mit Lockenwicklern und sichtlich erfreut sie zu sehen. Johanna bekam ihren Kaffee. Sie plauderten wie immer in einer Mischung aus verschiedenen Sprachen miteinander. Isa und sie verstanden sich gut. Johanna mochte das Mädchen, zehn Jahre jünger als sie, war sie wie eine kleine Schwester. Isa war eine Hure, eine Hure mit Herz, mit einem Traum, dem Elend entkommen zu können. Manchmal weinte sie, wenn sie nachts von einem Freier nach Hause kam. Johanna erinnerte sich einmal dabei gewesen zu sein, als das junge Mädchen voller Wut ihrer Mutter berichtete: „Ein Handtuch! Für eine Woche Ficken und Liebesdienste.“
Heute blieb Johanna nicht lange. Sie verabschiedete sich bald, denn sie konnte auch hier keine Ruhe finden. Bevor sie ging, lackierte ihr Isa noch die Nägel. In einem sehr dezenten Scharlachrot.
“Jetzt sehe ich aus wie eine Puta“, lachte sie.
“Das bist du doch“, grinste Isa. Sie lief zurück zum Hotel, inzwischen war es fast Mittag. Am "el Rapido" einem kubanischem Imbiss waren die ersten älteren Herren versammelt. Deutsche, Holländer, seltener Italiener. Sie schwitzten ihre Achselshirts voll, das Bier kühlte von Innen und sie berichteten von den heißen Erlebnissen der Nacht. Mit jedem Bier wurde die Frau schöner und am Ende des Tages war auch ein 80jähriger überzeugt davon, dass seine 20jährige Chica nur aus Geilheit und Liebe ihm zu willen wäre. Die perfekte Illusion. Nein, auch hier konnte sie ihn nicht entdecken. Und sie war wirklich froh darüber. Kopfschüttelnd beschloss sie zurück zum Hotel zu gehen. Das kann doch nicht sein, dass du hier anfängst nach diesem Mann zu suchen. Er weiß doch, wo er dich finden kann. Schluss jetzt. In der Halle winkte der Porte sie zu sich.
Auch das noch. Kühl schob er ihr ein Päckchen über den Tresen. Fragend sah sie ihn an.
"Your husband" sagte er schulterzuckend.
Ihr Herz hüpfte vor Freude und Aufregung. sie eilte zu ihrem Zimmer. Am liebsten hätte sie es schon unterwegs aufgerissen. Sie schüttelte es. Kein Klappern. Kaum im Zimmer riss sie es auf. Ein Brief fiel auf den Boden und als sie das Papier zur Seite schob, zog sie ein nachtblaues Abendkleid heraus. Ihr stockte der Atem und fieberhaft riss sie den Brief auf.
"Ich weiß, Du liebst Überraschungen. Dieses Kleid wirst Du tragen, wenn Du Dich entscheidest heute Abend MEIN zu sein. Zieh es an, du wirst sehen es passt. Wenn Du Dich für diesen Abend entscheidest, dann stell den leeren Karton vor die Tür. Wenn nicht, behalte Kleid und Karton.
Wenn Du Dich entscheidest, wie ich es vermute, wirst Du weitere Anweisungen erhalten. Du wirst schön aussehen in diesem Kleid. Ich freue mich auf Dich."
Sie stand da mit dem Kleid in der Hand und las den Brief mehrmals. Dann lächelte sie und zog das Kleid an, sah in den Spiegel und es passte tatsächlich. Ihre Augen leuchteten merkwürdig intensiv und sie fühlte die Spannung den Rücken hinauf kriechen. Sie lächelte ihr Spiegelbild an und schloss den Deckel des Paketes. Mit dem Fuß schob sie es vor die Tür. als sie diese geschlossen hatte, lehnte sie sich für einen Moment dagegen. Sie hörte nichts. Dann ging sie ins Bad, duschte, mehr um sich abzulenken. Als sie die Tür vorsichtig öffnete, war das leere Päckchen weg.
Das Kleid lag auf dem Bett und sie setzte sich daneben, zog es über ihre Knie und sah sich im Spiegel an. Ihre Haare waren nass und ein dünnes Rinnsal suchte seinen Weg direkt zu den Brüsten. Gänsehaut. Nackt, mit dem Kleid auf den Knien konnte sie ihren Blick nicht von ihren Augen lösen.
Dann sprang sie auf und verschwand im Bad, eilig als hätte sie verschlafen, schminkte sie sich, Haare rauf, Haare runter - wie immer fiel die Wahl auf die erste Variante.
"Verdammt" zischte sie als sie den Lidstrich verwischte. "Stell dich nicht an wie ein Teenager. Es ist nur ein Mann. Kein Grund zur Panik."
Sie warf ihre Schminkutensilien ins Täschchen zurück und beschloss schön genug zu sein und wenn sie es nicht wäre, beschloss sie, dass es ihr gleichgültig wäre. Alles eine Frage der Einstellung ... grinsend streckte sie sich selbst die Zunge raus. Und nun? Warten. Verdammt, ich hasse es zu warten. Nichts hasse ich so wie untätiges Herumsitzen. Sie versuchte zu lesen, aber dieses Buch beunruhigte sie noch mehr. Sie versuchte zu schlafen, aber schon nach kurzer Zeit sprang sie wieder auf und rannte ins Bad. Ihre Möse war nass, klebrige Feuchtigkeit zwischen ihren Schamlippen. Na prima, dachte sie, hoffentlich gibt ´s da wo ich SEIN sein soll keine Hunde. Diese Unruhe war unerträglich. Sie widerstand dem Impuls an den Nägeln zu knabbern. Dabei fiel ihr auf, dass diese immer noch rot waren. Das geht gar nicht. Sie kann doch nicht wie eine Hure
rumlaufen ... Scheiße, wo ist der Nagellackentferner? Sie hatte ihn bei Isa vergessen ... oh nein. Egal! Dann eben so. sie kann ja die Hände hinter dem Rücken verstecken.
Verdammt, warum kommt er nicht? Und was um alles in der Welt bedeutet "Mein sein?" Auf dem Höhepunkt ihrer Unruhe, mitten im schönsten Hirnfick klopfte es. Sie sprang auf, zwang sich im gleichen Augenblick zur Gelassenheit und stürzte zur Tür. Wieder ein Päckchen! Niemand zu sehen. Eilig hob sie es auf und zog die Tür hinter sich ins Schloss. Diesmal klapperte es. Unschlüssig drehte sie es in den Händen, dann riss sie es auf und sackte auf die Bettkante. Sie schluckte hart, denn plötzlich wurde ihr Hals ganz trocken. Sie glaubte nicht, was sie sah.
Handschellen. Ein Paar Handschellen und ein Seidenschal. Wieder ein Brief.
"Wie ich sehe, hast Du Dich richtig entschieden. Du wirst es nicht bereuen. Vertrau mir! Ich möchte, dass Du noch einen Schritt weiter gehst. Nur diesen einen noch, bei allen weiteren werde ich bei Dir sein, mein Engel. Du hast Dich gefragt, was es heißt, MEIN zu sein. Eine erste Kostprobe liegt in diesem Päckchen. Um 20:00h wirst Du mit verbundenen Augen und geschlossenen Handschellen auf der Straße vor dem Hoteleingang stehen. Es wird jemand da sein, der Dich zu mir bringt. Du wirst tun, was er sagt. Wenn Du glaubst, das nicht zu wollen, dann kannst Du jetzt das Päckchen wieder vor die Türstellen. Ich hole Dich ab, wir gehen essen und alles ist gut. Solltest Du aber bereits jetzt schon feucht sein, überleg es Dir gut. Es könnte sein, dass Deine geheimsten Fantasien sich gerade zu erfüllen beginnen. Ja, ich werde Dir wehtun, aber ich werde Dich auf eine Weise lieben, wie Du noch nie geliebt worden bist"
Sie las diesen Brief wieder und wieder, verstand kein Wort und begriff doch alles. Sie zitterte. Nackte Augen sahen ihr im Spiegel entgegen. Sie knüllte den Brief in der Hand zusammen und kämpfte einen Augenblick mit den aufsteigenden Tränen Eine Weile saß sie so da, äußerlich fast erstarrt, aber innerlich wach und hoch erregt. Sie senkte den Kopf, ein Blick zur Uhr. Sie hatte nicht mehr viel Zeit. Jetzt war sie ruhig. Sie hatte nichts zu entscheiden. Es war längst geschehen.
Eine halbe Stunde später lief sie wieder am Pool vorbei, durch die Lobby. Tuch und Handschellen in der Tasche. Sie lief an lauten Touristen vorbei, sie sah die Umgebung, aber nichts von all dem hatte noch irgendetwas mit ihr zu tun. Sie war bereits außerirdisch, auf ihrem eigenen Stern. Am Straßenrand knotete sie zunächst das Tuch am Hinterkopf so zusammen, dass sie es nur noch über die Augen ziehen musste. Die Handschellen klickten und sie zog das Tuch runter. Dunkelheit. Alle Geräusche wurden plötzlich doppelt so laut. Am lautesten waren allerdings ihr Herzschlag und
Atem. Sie hörte unmittelbar vor sich ein Auto bremsen. Jetzt kam die Panik und der Weglaufreflex war so stark, dass sie fast dankbar war für die Hand, die sich plötzlich um ihren Ellenbogen legte.
"Seniora" - nicht SEINE Stimme. Die Hand geleitete sie zum Auto. Sie wurde auf den Rücksitz gedrückt und die Türen fielen zu. Dem Geräusch nach zu urteilen musste es sich bei dem Auto um einen dieser halbverfallenen Amischlitten handeln. Aber das war ihr jetzt egal. Nach wenigen Minuten hatte sie die Orientierung verloren. Wenigstens wollte dieser Mensch, der dort fuhr ihr offensichtlich ein Gespräch ersparen. Die Gedanken erreichten sie nur noch als Fetzen. Sie war außerstande einen klaren Gedanken zu denken. In ihrem Kopf liefen Bilder, Bilder die ihr vertraut waren, oft benutzte
Masturbationsvorlagen sofort wieder weggesperrt, von heftigen Orgasmen geschüttelt. Sie fuhren nicht mehr. Wieder wurde die Tür geöffnet. Wer auch immer es war, er half ihr heraus. Dann fuhr er fort und sie stand da. Allein. Nicht wissend wo. Nicht wissend, was gleich geschehen
würde.
Sie fühlte den kühlen Nachtwind auf der Haut, hörte das Rauschen des Meeres und schmeckte die salzige Luft. Unter ihren Schuhen gab der Sand nach. Sie war also in der Nähe des Meeres. Aber das zu wissen, half ihr jetzt nicht. Gerade als sie die Augenbinde vom Kopf ziehen wollte, hatte sie plötzlich eine Hand im Nackenhaar. Gleichzeitig legte eine andere sich auf ihren Mund, so dass sie nicht schreien konnte.
"Pst." machte er. ER war es, Gott sei dank! "Ich bin da. Bleib ruhig. Schön, dass Du gekommen bist."
Für einen kurzen Moment drückte er sie an sich und sie entspannte sich sichtlich.
" Ganz schön leichtsinnig bist du, meine Kleine. Was macht dich so sicher, dass ich kein Perverser bin und dich in Stücke schneide?"
Stolz hob sie ihren Kopf und grinste ihn an.
"Die verschicken keine Kleider, sondern Messer."
Laut lachend zog er sie hinter sich her. Fast wäre sie gegen ihn geprallt, als er stehen blieb.
"Ich sehe schon, wir werden viel Spaß miteinander haben. Hast du Hunger?"
"Und wie."
„Ich liebe hungrige Frauen." Deutlich spürte sie das zweideutige Grinsen in seinem Gesicht.
„Vorausgesetzt, sie sind satt zu bekommen. Aber ich koche ganz gut."
„Es kommt darauf an, was ihnen serviert wird." Antworte Johanna, während sie unbeholfen durch den Sand stolperte und insgeheim ihre falsche Schuhwahl verfluchte.
„Fastfood macht ganz schnell satt. Und genauso schnell wieder hungrig."
„Mach dir keine Sorgen!" lachte er leise. „Das hier sieht doch bisher nicht nach Fastfood aus, oder?"
Eine Hand hatte er in ihren Nacken gelegt und schob sie so vor sich her. Sie hatte wirklich Mühe, mit ihren hochhackigen Sandalen durch den Sand zu laufen und fürchtete jeden Moment lang hinzuschlagen.
„Warte!" sagte sie. „Meine Schuhe"
„Was ist damit?"
„Ich kann hier nicht laufen auf diesen Absätzen."
Ausziehen kann sie sie auch nicht, wie denn mit diesen Händen, die noch immer in den Handschellen steckten. Verdammt! Da spürte sie seine Hände an ihren Füßen. Barfuss im Sand zu stehen war eine Erlösung.
„Danke"
„Schon gut" sagte er. „Du fällst noch früh genug."
Während sie weiterliefen, dachte sie lächelnd an das Bild, das sie beide abgeben müssen. Sie im Abendkleid, mit verbundenen Augen, gefesselten Händen und er läuft ihre Schuhe tragend hinter ihr her. Ihre Zehen bohrten sich in den lockeren Sand. Nach wenigen Metern änderte sich die
Beschaffenheit des Bodens. Er wurde härter. Da sie nichts sehen konnte, waren solche Details plötzlich von Bedeutung. Sie versuchte in die Nacht zu lauschen und hörte nicht mehr als das Rauschen des Meeres, weiter entfernt durch den Wind getragene, abgerissene Salsaklänge. Am deutlichsten hörte sie ihren eigenen Atem. Sie schmeckte die salzige Nachtluft, den Staub der Glut des Tages und ihre eigene Angst und Erregung. Viel zuviel Speichel plötzlich in ihrem Mund. Was mache ich hier?
Seine Hand in ihrem Nacken hielt sie locker aber unmissverständlich auf Kurs. Sie kannte den Weg nicht. Sie ließ sich führen.
„Bleib stehen!" sagte er und ließ sie los.
Hilflos stand sie da, die Hände fest ineinander gekrallt. Sie hörte ihn eine Tür öffnen, sanft schob er sie über die Schwelle. Wo bin ich hier? Nein, das fragte sie nicht. Sie schwieg.
„Willkommen in meinem Reich! Komm setz dich!"
Wie soll sie sich setzen, wenn sie nichts sieht? Sie hörte sein Lachen und in ihr begann sich ein Widerstand zu regen.
„So ein hilfloses kleines Mädchen! Ich muss schon sagen, Du gefällst mir noch besser als erwartet. Ein Christkind ganz für mich allein. Oh, ich glaube, wir werden sehr fröhliche Weihnachten miteinander verbringen. Was denkst du?"
„Gar nichts!" fauchte Johanna.
Ihre Hilflosigkeit erreichte gerade einen erneuten Höhepunkt.
„Mach mich endlich los! Ich möchte sehen, wo ich bin."
„Warum denn so ungeduldig, meine Kleine? Das müssen wir aber noch üben. Mach mich endlich los! Also, ich glaube das geht auch anders, oder?"
„Bist du immer so ein zynisches Arschloch?" Erschrocken hielt sie für einen Moment die Luft an.
Sie fühlte seinen Atem in ihrem Nacken, seine Hände die sie fest umarmten, während er im gleichen Augenblick heftig in ihren Nacken biss, um gleich darauf mit der Zunge ihre Schultern zu lecken.
„Schlimmer." Murmelte er. „Ich bin ein ganz perverser Sadist."
„... und der unverschämteste Kerl, den ich je kennen gelernt habe." Stöhnte sie unter seinen Bissen.
Das leise Lachen entspannte sie. Auch als er sie plötzlich vorbeugte, so dass ihre Unterarme auf einer Tischplatte zum Liegen kamen, schrie sie nicht vor Empörung, als er ohne Vorwarnung ihr Kleid nach oben schob, so dass unweigerlich ihr nackter Po zum Vorschein kam. Sie zitterte, als seine Hände zärtlich darüber strichen. Zum ersten mal wirklich froh, die Augen verbunden zu haben und wehrlos zu sein. Das ersparte ihr alle pseudoversuche, sich zur Wehr setzen zu müssen.
„Sehr schön." Seine Stimme klang rau jetzt und ließ seine Erregung erahnen. „Wirklich sehr schön. Komm setz dich, meine Kleine. Lass uns essen. Ich sterbe wirklich vor Hunger."
Er schob ihr einen Stuhl in die Kniekehlen. Mit noch immer hochgeschobenen Kleid setzte sie sich. Er drehte den Stuhl so, dass sie seitlich zum Tisch saß. Ein Griff an ihre Knie machte ihr klar, dass sie die Schenkel zu spreizen hatte. Jetzt erst nahm sie den Duft im Raum war. Es roch nach Knoblauch und Kurkuma. Sie war ja wirklich auch hungrig und fragte sich nur, wie sie so essen solle. Da löste er schon ihre Handschellen.
„Danke." Sie rieb sich ihre Handgelenke und erwartete nun eigentlich auch, dass er die Augenbinde lösen würde. Aber das war wohl nicht sein Plan. Stattdessen sagte er ihr, dass er sie trotzdem gern fesseln würde. Weil es ihm einfach gut gefällt. Sie wäre die perfekte Frau für Arm- und Fußmanschetten.
„Darf ich?" fragte er.
Das verwirrte sie vollkommen. Wieso soll ich das entscheiden? In den zwei Minuten bis Johanna nickte, liefen ganze Filme in ihrem Kopf ab. Sie schwamm in einem Meer geheimer Phantasien. Eine Mischung aus Entsetzen und Freude erfasste sie. Ganz abgesehen von der überwältigenden Erregung, die bereits an der Innenseite ihrer Schenkel klebte. Sollte ich mich nicht fragen, wer er ist und was er vor hat mit mir? Müsste ich nicht eigentlich gerade jetzt eher vor Angst als vor Geilheit zittern? Oh, verdammt es fühlt sich so gut an, was er da gerade mit meinen Brustwarzen anstellt, dieses leichte Kneifen. Ja, bitte fessle mich! Ich will nicht mehr denken. Nur noch fühlen. Bitte! Mehr als ein Nicken bekam Johanna dann doch nicht hin. Aber sie nickte schön, mit gesenktem Kopf und beschleunigtem Atem. Weich waren die Arm- und Fußmanschetten, die er ihr jetzt anlegte, sorgsam darauf bedacht, dass nichts einschnürt. Die Beine harkte er hinter den vorderen Stuhlbeinen zusammen und die Arme wurden hinter der Lehne fixiert. So ließ er sie sitzen. Sie hörte ihn nur noch mit Töpfen und Geschirr hantieren. Irgendwann hörte sie ihn sich neben sie setzen.
„Gott, bin ich hungrig. Magst du gegrillte Langusten?"
„Keine Ahnung." Sagte sie. „Hab ich noch nie gegessen."
„Na dann, greif zu! Oh, du Arme, du kannst ja gar nicht essen. Du hast ja die Arme verbunden! Und von so einem zynischen Arschloch wie mir wirst du dir sicher nicht helfen lassen, oder?"
Sie hasste ihn. Und dieser Hass stand in ihren Augen, als er plötzlich die Augenbinde von ihrem Kopf zog. Zornig blitzte sie ihn an, noch keinen Blick für ihre Umgebung.
„Ja." Grinste er. „Ich liebe es, wenn du wütend bist. Wenn du mich am liebsten so arg beschimpfen würdest, wie jetzt gerade. Schließlich muss ich ja nachher einen Grund haben, dich übers Knie zu legen."
„Du bist ja verrückt." Spie sie ihm entgegen. „Nenn mir einen guten Grund, warum ich das zulassen sollte!"
„Weil du das willst und weil ich das will, ganz einfach. Ich brauche auch keinen Grund dafür. Du wirst mich bitten darum, meine Kleine. Und jetzt wirst du erst einmal essen. Komm schon, mach den Mund auf!"
Bissen für Bissen schob er ihr in den Mund. Er fütterte sie wie ein Kind. Zwischendurch hielt er immer wieder das Weinglas an ihre Lippen. Sie hatte keinen Blick für ihre Umgebung, nicht für den einfachen Holztisch, an dem sie saßen. Sie registrierte weder den Raum, nicht mal das große schöne Metallbett, das von Moskitonetzen verhangen mitten in diesem stand. Sie war offensichtlich in einer Fischerhütte am Strand, denn an den Wänden hingen Netze. Für all das hatte sie kaum einen Blick. Sie sah in seine Augen, brennende Augen. Sein Finger verbrannte sie fast, als er einen Tropfen Wein aufzufangen versuchte. Er fand seinen Weg zwischen ihre Lippen und hingebungsvoll begann sie zu saugen daran. Irgendwann ließ er den Wein von seinem Mund direkt in ihren fließen. Sie schluckte, während seine Finger zum ersten Mal ihre anderen Lippen teilten. Zunge und Finger stießen gleichzeitig in sie und sie stöhnte erstickt. Sie konnte sich nicht bewegen und versuchte, die Schenkel noch weiter zu spreizen. Die Lust fiel
sie an wie ein Tier und das Verlangen steigerte sich unter seiner Hand zu einem unerträglich roten Feuerball.
So plötzlich wie er angefangen hatte, ließ er auch wieder von ihr ab. Als wäre nichts gewesen, aß er einfach weiter, schnüffelte an seinen Fingern herum. Sie glaubte zu sterben.
„ Du läufst ja förmlich aus vor Vorfreude. Und du riechst gut. Deine Möse riecht nach Trüffeln, so wie eine Möse riechen muss."
„Aha" sagte sie und kam sich reichlich dämlich vor.
Eine geistreiche Antwort darauf wollte ihr beim besten Willen nicht einfallen. Sie saß hier mit einem eigentlich Fremden und der verglich den Geruch ihrer Möse mit dem von Trüffeln. Nicht, dass sie sich mit Trüffeln auskennen würde, aber allein dass er bemerkte, sie würde überhaupt irgendwie riechen, war befremdlich.
„Wenn du wüsstest, was Frauen alles anstellen, um eben da nicht zu riechen."
„Die haben auch keine Ahnung. Träumen von Reihenhäusern und Bausparverträgen. Dass das nicht deine Träume sind, war unschwer zu erkennen."
„ Wieso hast du meine Träume erkannt?" fragte Johanna unsicher. Sah man ihr etwa an, dass sie heimlich von Unterwerfung träumte, obwohl sie äußerlich doch so dominant und stark wirkte?
„Das war so schwer nicht. Ich habe das Buch gesehen, das du am Strand gelesen hast, deine Randbemerkungen. Das macht man nicht, wenn etwas bedeutungslos ist. Und dann musste ich nur noch kombinieren. Deine Reaktion, als ich dich vom Barhocker zog. Menschen wie du und ich erkennen uns. Du bist eine Sub."
Das Buch: „Lust an der Unterwerfung." Das hatte sie also verraten.
„Was heißt das?" fragte sie leise. „Eine Sub?"
„Man kann auch Sklavin dazu sagen. Aber ich bin an echten Sklavinnen nicht interessiert. Ich bevorzuge die Frau, die mir die Stirn bietet, meinen Geist füttert, mich herausfordert und im Bett sich hingebend und devot ist. Die so liebt, wie nur eine Sub lieben kann."
Fast hätte Johanna schon wieder „Aha." gesagt, aber das war ihr nun wirklich zu blöd. Seine Worte berührten sie. Sie fühlte, dass ihre eigenen Sehnsüchte durch sie berührt wurden. Sie musste ihn jetzt fragen.
„Wer bist du?" „Ich bin dein Captain. Ich bin das, was man einen Dom nennt. Und ich werde dich heute Nacht an die Hand nehmen und dein Captain sein. Ich werde dich schlagen und dich lieben. Ich werde dich zum fallen bringen und dich auffangen. Willst du das? Vertraust du mir?"
Sie sah ihn an. Seine Augen hielten ihrem Blick stand. Ihr Geist versuchte, den Inhalt seiner Worte zu verarbeiten. Aber das Herz und ihr Verlangen hatten längst verstanden. Sie fühlte, würde sie „Nein" sagen, er würde sie sofort gehen lassen.
„Ja, mein Captain. Ich will das." Hörte sie sich sagen und sah ihn noch immer an.
Er streichelte jetzt ihr Gesicht. Sie sah einen kurzen Augenblick eine weiche Freude in seinem Gesicht leuchten. Sie küsste die Hand, die sie streichelte und fühlte ein weiches, perverses Glück. So also fühlt es sich an, wenn eine Sub zu lieben beginnt.
„Gut so." sagte er.
Dann trat er hinter sie, löste ihre Fesseln und bat sie mit ruhiger Stimme aufzustehen.
„Zieh dich aus!" Er setzte sich auf die Bettkante und sah sie mit einem Blick an, der keinen Zweifel zuließ. „Ich will dich nackt."
Sie hatte ja eh nur das Kleid an. Es gab also nicht wirklich viel auszuziehen. Was sie so verunsicherte, war sein Blick. Eine fast kühle Distanziertheit lag in seinen Augen. Dieses „Zieh dich aus!" war meilenweit vom halbgeilen Stöhnen aller sonstigen Liebhaber entfernt. Sein Blick änderte sich auch nicht sonderlich, als sie das Kleid über den Kopf gezogen hatte. Fast schüchtern hielt sie es in der Hand, bevor sie es zu Boden fallen ließ. Eine längst vergessene Schamhaftigkeit ergriff sie, als hätte sie noch nie im Leben nackt vor einem Mann gestanden. Er musterte sie fast wie eine Kuh im Stall und sie hätte sonst etwas dafür gegeben, jetzt seine Gedanken lesen zu können. Verdammt, ich gefalle ihm nicht! Sie fühlte, wie sie sich innerlich zurück zu ziehen begann, wappnete sich für das vernichtende Urteil, geriet in Aufruhr, weil ihr klar wurde, dass ihr so nackt keine zynische Bemerkung einfallen würde.
„Das ist alles sehr schön, was ich da sehe. Du gefällst mir. Aber weißt du, was ich wirklich von dir sehen will ...?"
Sie schüttelte den Kopf. Nein, sie hatte keine Ahnung.
„Deine Lust. Ich will sehen, ob du brennen kannst und ob du mich entzünden kannst. Ich will sehen, ob du eine Frau bist, die die Liebe liebt, mit vielen, kleinen schmutzigen Phantasien. Zeig mir deine Lust!"
Er war aufgestanden, setzte sich wieder auf den Stuhl und wirkte noch immer äußerlich unbeteiligt.
„Leg dich aufs Bett, spreiz die Beine und streichle dich. Zeig mir deine Geilheit."
Fünf Sekunden lang dachte sie gar nichts. Johanna starrte ihn nur ungläubig an.
„Ich soll ...?"
„Ja, habe ich mich unklar ausgedrückt? Nun mach schon! Ich sehe doch, wie geil du schon bist. Was soll denn das Geziere jetzt? Dich einem Fremden auszuliefern, war vergleichsweise viel schlimmer."
„Ja, aber das hier ist viel intimer.
Jetzt lachte er und sagte: „Das hast du gut erkannt, meine Kleine. Sehr gut erkannt. Für heute Nacht hast du keine Intimsphäre. Hast du vergessen, wer ich bin? Vielleicht solltest du doch besser gehen, denn Phantasien zu haben ist das Eine, sie zum Leben zu erwecken, ist dann doch nicht jedermanns Sache."
Ich bin nicht jedermann, dachte Johanna. Und du bist ein gottverdammtes Arschloch, dich so an meiner Scham zu ergötzen. Natürlich will ich! Hättest du nicht wenigstens bitte sagen können? Oh nein, bitte sag bloß nicht „bitte"! Im selben Atemzug fiel ihr ein, wie ihre letzte Affaire sich ins „Aus" gewinselt hatte.
Zwischen ihren Knien kauernd fragte der: „Darf ich dich befriedigen?"
Danach hatte sie für sich entschieden, dass es wohl keine echten Männer mehr gäbe und sich innerlich auf ein männerloses Dasein vorbereitet.
Wenn sie doch nur nicht so schwanzgeil wäre! Mit Mitte dreißig noch weit vom Klimakterium entfernt lohnte es sich auch nicht, darauf zu warten. Außerdem hatte ihr letzter Liebhaber, der deutlich älter war als sie, versichert, dass es da erst richtig losginge. Ich bin ein Opfer meiner eigenen Triebhaftigkeit, dachte sie, während sie sich, noch immer nackt vor ihm stehend, langsam Richtung Bett wandte. Er setzte ein wohlwollendes Lächeln auf. Das änderte nichts daran, dass sie sich innerlich in Grund und Boden schämte. Sie versuchte einigermaßen elegant auf dieses Bett zu kommen, wusste aber, dass der Versuch nicht besonders geglückt wirkte.
„Mein Gott!" sagte er. „Wenn du in diesem Tempo weiter machst, dann bin ich eingeschlafen, bevor ich deine Möse zu Gesicht bekomme. Du bewegst dich, als hättest du einen Stock verschluckt. Welchen Mann willst du denn so erregen? Damit machst du nicht einmal total verhungerte
Knastbrüder geil. Hat dir nie jemand beigebracht, was Männer wollen?"
Johanna schnaubte vor Wut, auch wenn sie sich darüber im klaren war, dass die Tatsache nackt und breitbeinig vor diesem Kerl zu liegen, nicht gerade dazu beitrug, auf Augenhöhe zu geraten.
„Was wollen die schon?" lachte sie zynisch. „Darüber muss Frau nun wirklich nicht lange nachdenken: ficken. Männer wollen ficken!"
Jetzt lachte er wieder, während er aufstand. Er setzte sich neben sie aufs Bett und streichelte plötzlich zärtlich ihr Haar. Sie sah in mit großen fragenden Augen an. Sein Daumen glitt über ihre Lippen, die sich wie von selbst öffneten. Sie dachte an seinen Kuss und leckte mit ihrer Zunge die Daumenkuppe. Seine Augen wurden eine Spur dunkler und sie hielt seinem Blick stand, während seine Finger sich einen Weg in ihrem Mund suchten.
„Ja, das glaubst du, meine Kleine, " murmelte er. „Das hat man dir beigebracht. Männer wollen ficken. Und du hast die Macht und lässt sie an deinem Gummiband tanzen. Und wer nicht mittanzt, wird aussortiert. Und dieses Spiel langweilt dich zu Tode."
Seine andere Hand hielt ihren Nacken und dirigierte ihren Kopf, während sie an seinen Fingern lutschte als wäre es ein Schwanz. Sein Schwanz.
Während er sprach, sah sie ihm in die Augen und sie wusste, dass er Recht hat und erkannte gleichzeitig das Verachtende daran. Ihre Unrast und ewige Suche war ihr inzwischen längst zur Qual geworden. Müdigkeit lag wie eine bleischwere Wolke über allem, was sie tat. Seit langem. In Rotwein getränkten Nächten konnte sie manchmal länger als zehn Minuten in ihr Spiegelbild sehen. Die Königin des Selbstbetrugs! Sie betrachtete sich im Spiegel und erkannte, dass dieses fremde Lächeln immer mehr ihr eigenes wurde. Genau wie diese fremde, duldsame Person in ihr, die immer häufiger dafür sorgte, dass sie sich nicht mehr wehrte, einfach nicht mehr zur Wehr setzte. Kälte und Verachtung hatten längst Besitz von ihr ergriffen.
Sanft zog er seinen Finger aus ihrem Mund und malte mit den Spitzen die Konturen ihres Gesichtes nach.
„Das wird dir mit mir nicht passieren. Das kann ich dir versprechen. Du wirst keine Gelegenheit erhalten, die Macht an dich zu reißen. Du wirst mich um alles bitten, meine Kleine. Nicht weil ich es will, sondern aus dir heraus. Du wirst lernen, was Hingabe ist und du wirst Demut fühlen."
Während sie den Sinn seiner Worte zu begreifen versuchte, fing Johanna an, selbstvergessen seine Handinnenfläche zu lecken. Sie drückte seine Hand gegen ihr Gesicht und verhakte ihre Finger in seine. - Eine zärtliche Geste, die er mit einem Lächeln quittierte.
„Siehst du, es geht doch. Du bist schon ganz handsam. So, und jetzt mach schon. Ich will deine kleine Möse laufen sehen!"
Ihre linke Hand lag auf ihrer Möse, während er wieder auf den Platz auf dem Stuhl zurückkehrte. Er zog ihn zu sich heran und setzte sich direkt zwischen ihre Beine. Ihre Finger waren feucht, noch ehe sie richtig angefangen hatte. Nass, sie war unglaublich nass. Sie wusste, dass er alles sehen konnte und dieses Wissen erregte sie noch mehr. Sie verlor keine Zeit damit, sich wie im Pornofilm am ganzen Körper zu streicheln. Auch vergaß sie, lasziv übers Laken zu rutschen. Sie machte es sich. Und sie machte es sich gut. So gut, dass sie anfing kehlig zu stöhnen. Der Mittelfinger rieb ihren
Kitzler und ihre Oberschenkel bebten vor Lust. Sie hob ihren Kopf und sah ihm in die Augen, dann auf seinen Schwanz, den sie aber nicht sehen konnte. Denn er war noch immer vollständig bekleidet. Er grinste.
„Dreh dich um und mach weiter!"
Als sie auf den Knien hockte, ihren Arsch in die Höhe streckte und dann mit ihrer Hand wieder an ihre Möse wanderte, fühlte sie seine Augen und ihr war klar, dass er nun wirklich alles sah. Sie stöhnte noch lauter als vorher und sie fühlte ihren Orgasmus herannahen. Das vertraute Gefühl der
Wellen, die sie hochspülten und jedes Mal kurz vor dem Zusammenschlagen wieder fort rollten. Sie liebte dieses „Noch-nicht-Kommen" fast genauso, wie die Explosion, die Auflösung der Spannung.
Sie hat lange trainiert, um sich möglichst lange an diesem Punkt zu halten. Allein, in vielen entspannten Augenblicken, wenn sie sich selbst liebte. Sie wäre nie auf die Idee gekommen, das mit einem Mann zu tun. Die wollten ihren Orgasmus als Beweis ihrer Lust oder vielmehr als Beweis dafür, ein guter Liebhaber zu sein. Schneller, höher, weiter! 'Ja Baby, Du hast den schönsten Schwanz der Welt!' Diesen hier kannte sie nicht einmal. Völlig unabhängig von jeder Berührung schaukelte sie sich unter seinen Augen einem intensiven Orgasmus entgegen. Sie sah ihn nicht aber stellte sich vor, er würde hinter ihr stehen und seinen steifen, geschwollenen Schwanz masturbieren. Oh bitte gib ihn mir! Gott sei dank hat sie das nicht gesagt.
„Hör auf!"
Sie brauchte einen Moment, um zu begreifen. Ein scharfer, beißender Schmerz auf ihrem Po verlieh seinen Worten Nachdruck.
„Finger weg, habe ich gesagt. Hör auf!" Johanna stöhnte vor Frust und Verwirrung. Er zog sie heftig am Nackenhaar zu sich heran.
„Du kleines, geiles Miststück. Habe ich etwa gesagt, dass du kommen sollst?" Er ohrfeigte sie leicht und dann fester, als sie „ja, aber ..." murmelte. Ihre Wange brannte.
„Ja, aber - was?" fragte er drohend.
„Du wolltest doch, dass ich es mir selber mache!" schrie sie wütend.
„Ach? Wollte ich das?" Schneller als sie reagieren konnte, hatte er sie bäuchlings über seinen Schoß gezogen, klemmte ihre Beine zwischen seine Schenkel und fing an, ihr hart und kräftig den Po zu versohlen.
„Du Psychopath!" schrie sie. „Hör sofort damit auf! Was soll das?"
„Was das soll?" fragte er während er unbeirrt weiter machte. „Du hast mich zu bitten, wenn du kommen willst. Das ist doch wohl selbstverständlich. Und wenn du nicht bitten kannst, dann helfe ich eben ein wenig nach und unterhalte mich mit deinem Po, solange, bis du bitte sagst. So einfach
ist das."
„Du bist pervers!" brüllte sie, während sie zappelnd seine Schläge genoss.
„Ja!" jubelte er lachend. „Und wie! Endlich hat es mal jemand erkannt. Oh, du hast einen schönen Po. Der glüht ja richtig."
„Bitte!" jammerte sie den Tränen nahe. „Lass mich runter. Ich frag dich ja. Ich wusste es doch nicht."
Er streichelte ihren Po, lockerte den Griff seiner Schenkel und schob seine Finger in ihre Möse.
„Sieh an! Das gefällt dir also, meine Kleine. Das gefällt dir sogar richtig gut. Du bist nicht nur nass, du tropfst. Sieh mal, du hast einen Fleck auf meine Hose gemacht! Mösensaft."
Sie kauerte jetzt vor dem Bett, ihren Kopf auf seinen Knien. Sie schämte sich zu sehr, um ihn anschauen zu können. Aber den Fleck erkannte auch sie. Eindeutig!
„Komm her!" sagte er und zog sie nach oben. Wie ein Kind hielt er sie im Arm und wartete, bis ihr Atem ruhiger wurde. Sie kuschelte sich an ihn und fühlte eine behagliche Wärme in seinem Arm, ein Gefühl der Geborgenheit. Er roch nach Pfeifentabak und Aftershave. Tief inhalierte sie seinen Geruch. Sie bedauerte, dass er so viel anhatte und fing an, sein Hemd aufzuknöpfen. Er ließ es sich gefallen, auch dass sie es ihm auszog. Als sie allerdings am Gürtel ankam, nahm er ihre Hände und schüttelte den Kopf.
„Noch nicht!"
Dabei fühlte sie längst seinen harten Schwanz. Auch ohne ihre Hand darauf zu legen wusste sie, wie erregt er war. Sie streichelte seinen Oberkörper, leckte seine Brustwarzen, leckte unter seinen Armen und legte ihr Gesicht in seine Halsbeuge. Sie fühlte eine seltsame Zärtlichkeit für diesen Fremden, von dem sie noch immer nicht viel mehr wusste, als den Klang seiner Stimme, den leicht salzigen Geschmack seiner Haut auf ihrer Zunge, seinen Duft, sein Augenspiel und seine Ausstrahlung. Seine Wirkung auf sie war von allem das größte Rätsel. Wann war sie zum letzten Mal so weich und warm gewesen, wie jetzt gerade in diesem Moment.
Was musste man denn wirklich von einem Menschen wissen, um ihn zu kennen? Und was wissen wir wirklich von den Menschen, die wir zu kennen glauben? Diese Fragen stellte sie sich, während er liebevoll ihre Haare aus ihrem Gesicht strich.
„Nicht grübeln, meine Kleine. Genieße es einfach. Das Leben schenkt uns nicht viele Nächte wie diese. Das weißt du doch. Also lass es zu und komm!"
Er stand auf und zog auch sie vom Bett hoch, wickelte das weiße Betttuch wie eine Toga um sie und griff nach der Flasche Rotwein, bevor er mit ihr das Haus verließ. Draußen hielt sie für drei Sekunden die Luft an, sonst hätte all die Schönheit sie erschlagen.
Schaudernd sagte sie: „Das ist der schönste Platz der Erde."
„Ja, " sagte er. „das finde ich auch. Aber jetzt mit dir zusammen ist es noch schöner als sonst." Er lächelte.
„Du Charmeur!"
Sie lachte und freute sich wie ein kleines Kind. Fröhlich hüpfte sie vor ihm zum Strand hinunter. Nur wenige Meter vor ihnen glitzerte das tiefschwarze Meer. Glitzerte von einem unglaublich kitschigen aber vollkommenem Mond an einem Himmel voller Sterne die so tief hingen, dass Johanna meinte, sie berühren zu können. Wenige Meter entfernt von seiner standen auch noch andere Fischerhütten mit ihren ebenso maroden Booten davor. Zwischen den Palmen hingen die Netze gespannt. Kokosnüsse hingen wie große, schwarze Monde über ihnen.
Eine einsame mehr Schatten als Licht spendende Lampe stand zwischen en Hütten. Das Meer spielte seine eigene Melodie und wie immer nachts empfand Johanna es als gespenstig und mystisch, fast bedrohlich. Seltsam vom Meer angezogen konnte sie in Mondnächten nur schwer widerstehen, sich in seine schwarzen Tiefen zu werfen. Gott, wie liebte sie diese Insel. Sie wusste, es gibt so vieles, was wirklich schön ist auf dieser Welt, aber die Vollkommenheit dieses Augenblickes war einzigartig. Und wie immer fühlte sie sich klein und schwach neben dieser Urgewalt. Ein kleines Sandkörnchen. Demut! Nie hat Johanna deutlicher gefühlt was Demut ist wie vor dem nachtschwarzen Atlantik, der sie in Sekunden in seine Tiefe ziehen könnte. Von Haien gefressen! Danach kräht kein Hahn!
„Scheiße!" lachte sie laut, während sie einen großen Schluck aus seiner Rotweinflasche nahm. „Ich muss immer heulen, wenn ich so unnormal glücklich bin."
„Dann heul doch!" Er umarmte sie fest und fing plötzlich an, sie zu schubsen, ihre Unbeholfenheit in diesem Wickelding ausnutzend. „Bevor ich dich den Haien zum Fraß vorwerfe!"
„Nein!" kreischte Johanna. „Captain bitte nicht! Ich hab doch Angst vor dem Wasser in der Nacht.
„Eben drum. Genau deswegen gehst du da jetzt rein!"
Sie versuchte ihm zu entkommen, aber er war schneller, klemmte sie sich unter den Arm und schleifte sie zum Wasser.
„Verdammt!" fluchte sie. „Die Haie!"
„Die sind hinter dem Riff, du Landratte."
Sie strauchelte in ihrer komischen Toga und fiel hin. Er fing sie auf, inzwischen genauso nass wie sie. Sie lachten beide und plötzlich küssten sie sich. Sie hing an ihm und klammerte sich mit aller Kraft fest. Ihr Betttuch lag längst am Meeresgrund. Das interessierte sie nicht, als sie zurück zum Haus liefen. Er fing an, sie mit einem Handtuch trocken zu reiben. Dann zog er endlich seine nasse Hose aus und sie lächelte, als sein Schwanz glatt wie Elfenbein in ihre Hand glitt.
„Hab ich dir das erlaubt?" knurrte er wenig glaubwürdig.
„Nein, aber er scheint es zu mögen!"
„Du kleines, geiles Miststück! Die Haie haben dich nicht gefressen, aber jetzt fresse ich dich."
Er stieß sie aufs Bett und war in Sekundenschnelle zwischen ihren Beinen.
„Du schmeckst salzig, " sagte er.
Sie lachte nur. Seine Zunge leckte ihre Möse. Sie stöhnte vor Lust und Geilheit. Nach wenigen Minuten ließ sie sich völlig in ihre Lust fallen, denn sie hatte begriffen, er liebte, was er tat. Und darum war es gut so, verdammt gut, dass sie Feuerbälle tanzen sah Sie stöhnte und hörte sich um den Orgasmus betteln.
„Bitte Herr, darf ich kommen? Bitte Herr, ich kann nicht mehr!"
Keine Ahnung, woher dieses „Herr" plötzlich kam. Es war so selbstverständlich, wie diese Bitte.
„Ja ," murmelte er. „Komm meine Kleine! Gib dich hin!"
Er schob ihr einen Finger in ihren Arsch und sie brüllte und zitterte und sie wusste, sie würde spritzen, wenn er nicht aufhören würde zu lecken. Alles auf seine Zunge spritzen. Aber es war zu spät. Sie fühlte ihren Saft aus sich herauslaufen und kam in heftigen, nicht nachlassen wollenden Wellen.
„Captain, " jammerte sie. „Ich glaube ich sterbe."
„Dann stirb doch!" Der Captain hielt sie im Arm bis sie wieder zurück fand in ihre Haut und ihr Aggregatszustand von flüssig zu fest zurückwechselte. Sie weinte.
„Schon gut, " murmelte er. „Ich bin ja da."
„Captain!" flüsterte sie nach einer ganzen Weile. „Was ist morgen früh?"
„Was ist morgen früh? Ein ganz normaler Morgen! Immer noch Weihnachten."
„Das meine ich nicht." Sie richtete sich auf. „Bist du dann noch immer mein Captain?"
„Ich wusste, dass du diese Frage stellen würdest, " antwortete er nach einem spürbaren Zögern.
Augenblicklich fuhr ihr die Kälte in die Glieder.
„Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung.“
Hätte ich bloß den Mund gehalten, dachte sie. Immer muss ich alles kaputt machen. Jede Frau weiß, dass man Männern damit in die Flucht schlägt. Sie schluckte, als sein Daumen vorsichtig über ihre Augenbraue strich. Jetzt bloß nicht heulen! Reiß dich zusammen, zischte sie sich in Gedanken zu.
„Ich wollte dich fesseln mit meinem Spiel. Jetzt sieht es so aus, als hätte ich mich selbst dabei gefesselt. Im Moment will ich aber einfach nur schlafen. Frag mich morgen früh noch mal, dann aber so wie eine Sub ihren Herrn zu fragen hat. Schlaf jetzt!“
Johanna war einfach zu müde, um sich wirklich aufzuregen. Schön, dachte sie. Er ist also verliebt in mich! Was für ein grausamer Sadist! Das muss ein Sadist sein, der eine Frau so glücklich macht, so pervers glücklich. Hätte ich nur auf meine Mutter gehört, dachte sie gähnend. Sah sich im schönen
Reihenhaus sitzen und grinste im Halbschlaf. Während sie eng an ihren Captain gekuschelt einschlief.
Morgen ist auch noch Weihnachten.
(mit freundlicher Freigabe von spankingfreunde.de)
